Geschichte des Spielmanns- und Fanfarenzuges Selb

Das Alter unseres Spielmanns- und Fanfarenzuges stimmt eigentlich so nicht, denn bereits seit 1950 hatten sich ehemalige Mitglieder des früheren Spielmannszuges zusammengefunden und spielten unter der Stabführung von Kurt Seifert am alljährlich stattfindenden Selber Wiesenfest. Da durch die Kriegswirren und der unmittelbaren Zeit danach viele Instrumente verloren gingen und Fanfaren und Landsknechttrommeln nicht mehr vorhanden waren, wurde nur mit Marschtrommeln und Querflöten sowie einem Basszug gespielt. Das Selber Wiesenfest war allerdings die einzige Veranstaltung, die in ununterbrochener Reihenfolge bis 1957 bespielt wurde. Als 1957 die Hutschenreuther AG der Stadt eine großzügige Spende zur Verfügung stellte mit der Bitte, dieses Geld kulturellen Zwecken zukommen zu lassen, wurde ein Teil desselben dazu verwandt, Instrumente für einen Spielmanns- und Fanfarenzug anzuschaffen. Am Dienstag, den 14. November 1957 um 19.30 Uhr waren in der Dr. Franz-Bogner-Schule 37 Jungen im Alter von 13-17 Jahren versammelt und hörten begeistert den Worten des Herrn Oberbürgermeisters Höfer zu, der über die Musik im allgemeinen und über die Klangkörper eines Spielmanns- und Fanfarenzuges im Besonderen sprach. Erster Vorstand und Leiter wurde Kurt Seifert. Nach einer Ausbildung von nicht ganz einem Jahr trat dann der neue Musikzug zum ersten Mal an die Öffentlichkeit und bespielte das Selber Wiesenfest 1958. 1960 trat die Musikgruppe dem Nordbayerischen Musikbund bei und besuchte im selben Jahr ihr erstes Bundesmusikfest in Stockheim. Hier konnte auf Anhieb ein erster Rang mit Auszeichnung erspielt werden. Als Wertungsstück wurde die "Feierstunde" -komponiert vom unvergessenen Ferdinand Pleyer- vorgetragen. Durch intensive Arbeit hat der Zug heute ein Repertoire, das von Beethoven über Franz von Suppé bis Teige und Komzak reicht, um nur einige zu nennen.

1967 löste sich der Musikzug von der Stadt Selb und betrieb nun unter der Leitung von Tambour-Major Horst Müller den Spielbetrieb in eigener Regie. 1966 wurden erstmals auch Mädchen in das Spielgeschehen einbezogenen. 1986 stand der Verein vor der Pleite. Nachdem Ende 1985 der damalige Vorstand Sven Höfer den Verein noch finanziell und kameradschaftlich intakt übergeben hatte, schaffte es sein Nachfolger nicht, den Verein in gleicher Weise weiterzuführen. Nur durch konsequentes Sparen und die Mithilfe aller Mitglieder gelang es anschließend Anton Meißner ab Mitte 1986 umso besser das Vereinsschiff wieder in ordentliche Bahnen zu lenken. So konnte man 1987 das 30-jährige und 1997 das 40-jährige Bestehen mit Anton Meißner als 1. Vorsitzenden gefeiert werden.

Mit Bettina Zebisch erklärte sich 2002 zum ersten Mal eine Frau dazu bereit, das Amt des 1.Vorsitzenden zu übernehmen. Unter ihrer Führung wurde 2007 ein grandioses 50jähriges Jubiläum gefeiert, bei dem man mit sage und schreibe 9 befreundeten Gastkapellen einen Sternmarsch veranstaltete.

Ab 2010 führte Norbert Völkl den Verein, und im selben Jahr konnte man eine Vereinbarung mit der Stadt Selb treffen, um zukünftig die Räumlichkeiten der neuen Musikschule für die Übungsstunden zu nutzen. Auch konnte mit Carina Bening eine ausgebildete Musiklehrerin und mit Mathias Elser ein neuer Musikalischer Leiter gefunden werden. Unter der Leitung Norbert Völkls wurde im Jahr 2014 die erste Reise nach Beaucouzé unternommen, die ein toller Erfolg wurde.

Seit Februar 2016 leitet Gerhard Stöhr die Geschicke des Selber Spielmannszuges. Unter seiner Führung feierte der Musikzug 2017 ein grandioses Jubiläum zum Selber Bürgerfest im Mai und im November im Rosenthal-Theater. 2019 wurde eine 4-tägige Reise nach Südtirol durchgeführt, wo man Auftritte beim Altstadtfest in Bozen spielte, und Ende September hatte man schließlich den ersten Auftritt auf dem Münchener Oktoberfest, der live im Fernsehen übertragen wurde.